Schreib Dein Buch!

DSC_0192 (2)Ich sitze am Schreibtisch und schreibe mein Buch. Nee, falsch. Man sitzt nicht am Schreibtisch und schreibt ein Buch. Man sitzt eher am Schreibtisch und schreibt Text um Text, auf dass sie sich fügen und Buch werden mögen. Denn Bücher sind klüger als Texter je werden. So viele Menschen sitzen nicht am Schreibtisch und schreiben kein Buch. Sie reden und reden: »Wer weiß eines Tages, vielleicht in der dritten Hälfte des Lebens schreib ich auch ein Buch.« Sie sagen, sie hätte so viel, ja, so viel zu erzählen. Doch ich sage ihnen: Nein, nein, das ist Quatsch! Continue reading

Extradruck

Unsere Gedichtsammlung Ich kieke, staune, wundre mir ist bald zwei Monate in der Welt und doch ist sie kaum noch zu haben. Dank freundlicher Beachtung diverser Medien ist die limitierte Erstausgabe mit dem Bezug aus Bärenfellimitat nahezu vergriffen. Sie liegt zwar weiterhin in Buchhandlung aus, der Verlag hat aber seit drei Wochen keine Exemplare mehr, weshalb bereits in der nächsten Woche eine Neuauflage erscheint: nicht mehr limitiert, nicht mehr ganz so bibliophil, bei gleichbleibendem Inhalt und dafür deutlich günstiger.
Quasi zur Feier der Veröffentlichung lesen Ulli Janetzki und ich am 16. Mai mal wieder eine Auswahl berlinerischer Gedichte vor. In der Tucholsky Buchhandlung in Mitte. Passender geht es wohl kaum. Schließlich ist Tucholsky einer der wichtigsten Autoren der Anthologie, ein Meister der Übertragung der Mundart in pure Poesie.

 

Nachtrag: Das Foto zeigt den Extradruck, aufgenommen am 18. Mai.

Uff eemal klopp’s

ick_kieke_UNGESTRICHEN.indd»Ick sitze da un esse Klops. / Uff eemal klopp’s.« So fängt eins der bekanntesten Gedichte in berlinischer Mundart an. Viele können es auswendig und gehen davon aus, dass die Geschichte von dem Klops essenden Icke, der sich vor der eigenen Tür wiederfindet, ein Produkt des Volksmund ist, ein Straßen- oder Kinderreim der Kategorie Icke, dette, kieke mal. Dabei wird diese hier eher auf die Schippe genommen, liebevoll versteht sich. Erschienen ist der Text erstmals 1925 im Europa-Almanach von Paul Westheim und Carl Einstein. Noch im gleichen Jahr wurde er als Klopslied von Kurt Weill vertont.

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Das auffallend unauffällige Leben der Haushälterin Hannelore Keyn in der Villa Grassimo zu Wewelsfleth

keynbuchLetztes Jahr haben Peter Wawerzinek und ich uns für drei Monate im Alfred-Döblin-Haus zu Wewelsfleth einquartiert, um der von uns verehrten, leider verstorbenen Hannelore Keyn nachzuspüren, die dort lange als Haushälterin gewirkt hat und nebenbei Literatur beeinflusst hat. Denn das Döblin-Haus im norddeutschen Wewelsfleth beherbergt jeweils drei Stipendiaten, die ihr ungestört schreiben können. Und das geht auch ganz gut, solange einem nicht die Geister des alten Gebäudes dazwischenfunken, so auch der des Stiftes Günter Grass, weshalb man im spitznamenverliebten Berlin mitunter von der Villa Grassimo spricht. Continue reading

Dada in Davos

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1916, inmitten des Ersten Weltkriegs, entstand im Zürcher Cabaret Voltaire Dada. Initiiert worden ist diese Künstlerkneipe von Hugo Ball mit Emmy Hennings. Balls Freund Klabund hielt sich wegen seiner Tuberkuloseerkrankung von Mitte Februar bis Ende März 1916 in Davos auf. Anschließend kam er nach Zürich, wo er auch im Cabaret Voltaire auftrat. Dem Paar Hennings/Ball legte er nahe, im Luftkurort aufzutreten. »Klabund meinte, das sei aussichtsvoll«, schreibt Ball in einem Brief. Continue reading