Hier und Da. Notizen aus einem Land, in dem es stinkt.

nazimuell
Kann man Nazis wiederverwerten?

Ich habe langsam keine Lust mehr. Das kann doch echt nicht sein! Bin ich umgeben von Idioten? Umzingelt von Schlechtmenschhorden, die den letzten Rest Anstand und Moral, der durch ihre matschigen Denkorgane schlingerte, gegen ein paar Pullen warmen Fusel der Marke Extraübel eingetauscht haben? Ich schalte morgens das Radio an, und im Radio sagt ein Oberschlauer mit osteuropäischem Akzent, alle Fremden, die nach Deutschland kämen, täten das illegal, weil ihr Herkunftsland ja ein sicheres sei. Nur meint er mit Herkunftsland das letzte Land, durch das sie gereist sind, also Österreich zum Beispiel. Continue reading

Wie wird man Dadaist? Bock liest Ball.

Weil ich gerade so schön in Feierlaune bin wegen der Eröffnung des Cabaret Voltaire vor 100 Jahren und der Veröffentlichung meines sich darauf beziehenden Buches, setzte ich noch einen drauf und lade ein zum Dada-Abend.
Ich erzähle, wie das damals so war, als Hugo Ball, Emmy Hennings, Tristan Tzara, Richard Huelsenbeck und Hans Arp in Zürich ganz Dada wurden und rezitierte ihre besten Texte aus dieser Zeit. So werde ich auch ein dreistimmiges Simultangedicht allein und live zum Vortrag bringen. Dazu gibt’s die schönsten Fußnoten aus meiner Doktorarbeit.
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100 Jahre Dada

Cabaret Voltaire 1916
Eine Nachstellung von Marcel Jancos verschollenen Gemälde »Cabaret Voltaire«, 1916. (c) Susanne Bax

Das Lokal war überfüllt; viele konnten keinen Platz mehr finden. Gegen sechs Uhr abends, als man noch fleißig hämmerte und futuristische Plakate anbrachte, erschien eine orientalisch aussehende Deputation von vier Männlein, Mappen und Bilder unterm Arm; vielmals diskret sich verbeugend. Es stellten sich vor: Marcel Janco der Maler, Tristan Tzara, Georges Janco und ein vierter Herr, dessen Name mir entging. Arp war zufällig auch da und man verständigte sich ohne viel Worte. Bald hingen Jancos generöse »Erzengel« bei den übrigen schönen Sachen, und Tzara las noch am selben Abend Verse älteren Stiles, die er in einer nicht unsympathischen Weise aus den Rocktaschen zusammensuchte.

Hugo Ball: Die Flucht aus der Zeit, 5. Februar 1916.

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9 Jahre Dichter als Goethe mit Rüdiger Bierhorst

rüdiger_bierhorst_2010_AusschnittNeun Jahre Dichter als Goethe! Mit einem Lieblingsgast lese, singe und trinke ich vor Publikum. Mein erster Gast war Rüdiger Bierhorst, ein würdiger Taufpate und das Publikum war mindestens so betrunken wie wir. Versteht sich von selbst, dass Rüdi auch zur neunten Geburtstagsparty kommt. Er, der der Gottvater des Kneipenliedes ist, ein Liedermachingmonster erster Güte, bühnensüchtiger Meister aller Saiten, Pannenpartner, der noch mehr als eine Flasche in Berlin hat. Und ich, der ich das das vergangene Jahr hauptsächlich fern von Heimatstadt und Lesebühnen verbracht habe, erzählt von meinen Fehlern, kaputten Haushaltgeräten, Bernsteinsuchen und dem Leben, das passiert, wenn man nicht genug drauf aufpasst.

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Ende einer Stadtverschickung

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Meine Zeit in Krakau ist nun vorbei. Es waren wunderbare zwei Monate. In erster Linie war ich zum Schreiben dort, doch kann man sich in einer Stadt wie Krakau nicht in seinem Zimmerchen verkriechen (selbst wenn es so herrlich liegt wie in der Villa Decius bzw. im Haus dahinter), eine Stadt wie Krakau will auch erlebt werden und das auf vielen Ebenen. Continue reading