Zig Sioux im Schwips

Im Solinger Zentrum für verfolgte Künste läuft derzeit die Ausstellung War einmal ein Bumerang. Der Maler Joachim Ringelnatz kehrt zurück, zu der kleiner feiner Katalog erschienen ist. In ihm befindet sich auch ein kurzer Text von mir, für den ich mich von einer Zeichnung des Dichters inspirieren ließ. Der Katalog ist leider bereits vergriffen, aber die Texte lassen sich hier nachhören. Die phantastischen Bilder kann man sich leider nur in Solingen anschauen.

How I revolutionized Rock’n’Rock

passion_coverYeah! Mein erster Text in einem Kunstkatalog! Und dann auch noch so’n schöner. Also der Katalog. Der Text halt so’n Text. Immerhin von mir. Und es gibt eine englische Fassung. Die gefällt mir fast besser als die deutsche. Passt auch gut zum Thema. Rock’n’Roll, Alta!

Die Ausstellung ist auch voll der Rock! Geht darin um Fan-Verhalten und Kunst. Im Bethanien. Also nicht, das mal besetzt war (gibt da so’n Lied), sondern im Künstlerhaus Bethanien am Kotti. Sollte man mal hingehen. Der Eintritt ist sogar frei. Continue reading

Reichstagswrap

IMG_4941Heute vor zwanzig Jahren haben Christo und Jeanne-Claude damit begon­nen, den Reichstag zu verhüllen. Zwei Wochen später habe ich mich morgens um halb vier Uhr in eine Schlange von 6.000 Irren eingereiht, die einmal um das Gebäude reichte, um mir eine wrapped Reichstag-Graphik von dem Verhüllerpaar veredeln zu lassen. Arrogant wie ich mit 22 war, spotte ich damals zwar, das sei „Publikumsverarschung im breitesten Sinne“ und zweifelte an, ob Einpacken wirklich Kunst sein könne. Continue reading

Olafur Eliasson

thilo_bock_by_eliassonKunst ist ja so ‘ne Sache. Man mag sie oder eben nicht. Jedenfalls auf emotionaler Ebene. Oder ist es zu langweilig, etwas sofort zu mögen? Kann man sich an einem Bild sattsehen, daß einem auf Anhieb gut gefällt, weshalb man es sich übers Sofa hängt? Braucht Kunst eine intellektuelle Ebene, einen Grund für eine nähere Beschäftigung, damit sie sozusagen groß wird? Oder sind am Ende selbst die blaue Flächen eines Yves Klein mit den Gemälden Caravaggios vergleichbar?

Das sind so Fragen. In Zeiten, in denen versucht wird, Ausstellungen zu Events zu hochzugeigen, sind sie aber wohl müßig. Neulich war ich im Berliner Martin-Gropius-Bau. Dort finden gleich zwei große, mit viel Vorschußlorbeeren versehene Ausstellungen statt. Die Schlange reicht bis zur nächsten Straßenecke. Schlaue Menschen buchen Ihr Ticket daher im Internet.

Eliasson_Fahrrad1Bei Frida Kahlo war ich nicht. Nur bei Olafur Eliasson. Und ich hatte meinen Spaß. In gleich mehreren Räumen gibt es lustige Schattenspielereien. Auch weitere Installationen spielen mit dem Auge des Betrachters. Vielmehr machen sie den Betrachter zum Teil des Werks. Das ist raffiniert, mir allerdings gleichzeitig etwas zu dürftig. Um nicht zu sagen banal. Mit experimentellen Effekten kann man sich auch im Technikmuseum vergnügen. Bloß behauptet dort niemand, daß es sich um Kunst handelt. Weshalb wohl die Eintrittskarte weitaus weniger als die Hälfte kostet.

Schön dagegen finde ich die Idee Eliassons, seine Kunst auch außerhalb des Museums zu präsentieren, im öffentlichen Straßenland. So ließ er Holzbohlen als Treibholz in der Stadt verteilen und auch einige Fahrräder, deren Räder durch runde Spiegel ausgetauscht waren. Dies alles schien schnell wieder verschwunden zu sein, findige Sammler reckten ihre langen Finger.

Eliasson_Fahrrad2Pfingsten ist nun eins dieser Fahrräder in Prenzlauer Berg aufgetaucht und es steht dort noch heute. Doch angesichts seines Zustands wünscht man sich fast, jemand hätte sich seiner erbarmt und das Schloß geknackt. Denn nach nur wenigen Tagen ist es total ramponiert, die Spiegel sind zigfach gesprungen und teilweise abgesplittert (unteres Bild). Der öffentliche Raum verträgt wohl keine Kunst. Zum Glück kommt niemand auf die Idee, einen Caravaggio an einer Berliner Straßenecke abzustellen. Statt dessen läßt die BVG ihre Betonbuden verzieren wie hier am Nordbahnhof. Und das spottet jeden Vergleichs.

bvgbude

Nachtrag vom 15. Juni 2010: Die zerstörten Spiegelräder sind mittlerweile durch neue ausgewechselt worden.

Nachtrag vom 19. Juli 2010: Mittlerweile ist quasi nichts mehr übrig von dem Fahrrad. Nur das Schloß und der Rahmen hängen noch am Ständer.

Flüchtige Kunst

Donnerstagabend war ich bei der Eröffnung der Ausstellung der vier Wettbewerbsprojekte für den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst im Berliner Hamburger Bahnhof. Mein Kunstbegriff hört ja irgendwo in der klassischen Moderne auf, Ausnahmen bestätigen die Regel, aber Vorurteile sind eben nur erlaubt, wenn man sie regelmäßig überprüft. Zudem durfte ich meine beiden Lieblingskünstlerinnen vom Labor K1 begleiten, die sogar Sekt dabei hatten, damit ich nicht ganz so enttäuscht wäre, an einer Vernissage teilzunehmen, auf der weder Sekt noch Schnittchen gereicht würden. Continue reading