Ein Mann wie der Wind

domkeEs ist an der Zeit, einen ziemlich vergessenen Autor, wenn nicht schon zu preisen, dann doch wenigstens an dieser Stelle zu erwähnen: Helmut Domke. Bislang findet man seinen Namen im Internet fast nur in Literaturlisten, seine Bücher gibt es bloß noch antiquarisch. Lediglich das Westfälische Autorenlexikon verrät ein wenig mehr über ihn: 1914 in Recklinghausen geboren, 1939 promoviert, vom Weltkrieg schwerbeschädigt, 1986 gestorben. Domke war Feuilletonist, vor allem aber hat er Reiseführer verfaßt, Reiseliteratur eigentlich, im besten Sinne schwülstig, in ihrem hohen Ton heute mitunter allerdings unfreiwillig komisch. Continue reading

Abschied von Schöppingen

hofderliteratenhintenHeute bin ich entlassen worden, mein Aufenthaltsstipendium im Künstlerdorf Schöppingen ist abgelaufen, weshalb ich diese Zeilen bereits im Zug schreibe. Natürlich bin ich froh, zurück in die große Stadt zu kommen, doch habe ich in den letzten zwei Monaten das Landleben durchaus schätzen gelernt, wobei ich mich ja in einer gewissen Zwischenzone aufgehalten habe und eben nur auf Zeit, die Kontakte zu den Eingeborenen waren äußerst begrenzt und fanden überwiegend beim Erwerb von Lebensnotwendigem statt, sieht man mal von dem Abend in der Zwiebel ab, nach dem ich eine Weile beim Gang durch den Ort glaubte, ständig auf Leute zu treffen, mit denen ich dort gequatscht habe, doch konnte sich wohl keiner mehr an mich erinnern. Continue reading

Bei Schiebetür

Dieses Woschoeppingerschuetzenchenende verbringe ich auf der anderen Seite von Münster, denn wenn ich schon mal richtig und schwarz auf bunt zu einer Party eingeladen bin, dann fahre ich auch schon man nach Oelde, das sogar innerhalb des gleichen Verkehrsverbundes wie Schöppingen liegt, nur daß ich gestern daran gescheitert bin, das münsterländische Tarifsystem zu verstehen. Außerdem gibt es drei verschiedene Webpages, die einem die Verbindung anzeigen sollen, und keine funktioniert. Continue reading

Innere Verschneckung

Gestern war Christi Himmelfahrt, also der Feiertag, der dieses Ereignisses gedenkt. Ein guter Grund, mal wieder in die Kirche zu gehen, die Blinkmadonna in der Schrankwandvitrine abzustauben oder auch bloß das Bier kaltzustellen. Denn vor allem Freunde von Peterchens Mondfahrt und Besitzer von Bollerwagen werden sich an diesem Tag stets der zumindest theoretischen Kraft ihrer Lenden bewußt und feiern daher Vatertag. Überall! Jedenfalls in Deutschland! Und in Berlin! Äh, nur nicht im Westmünsterland, das will man jedenfalls meinen. Continue reading

Frei parken

parkplatz2In den Nachrichten höre ich, daß in NRW demnächst die Geldautomaten leer sein werden, weil die Zulieferer streiken. Es wird geraten, sich mit Bargeld einzudecken. Bitte bevorraten Sie sich! heißt es bei Aldi an den Metallkorbtischen mit den Sonderposten. Plötzlich wird Geld also zum Sonderposten und dieser olle Greenpeaceindianer hätte doch Recht gehabt: Irgendwann werden wir feststellen, daß Münzen schwer verdaulich sind. Continue reading

Flunki

stefan sous, flunki kielHier gießt es in Strömen. Man könnte meinen, das Haus sei zu nah am Wasser gebaut. Aber uns kann nichts passieren, denn glücklicherweise hängt gleich unterm Dachboden ein Schiff, es heißt Flunki und kommt aus Kiel. Müßte nur mal wer zusammensetzen. Auseinandergenommen und dadurch zu Kunst gemacht hat es jedenfalls Stefan Sous.

so lang möcht’ ick no liäwen

kleinstesbueroNachträglich möchte ich noch ein Bild vom womöglich kleinsten Büro Deutschlands präsentieren. Es steht auf dem Berliner Hauptbahnhof. Vielleicht handelt es sich ja um den Deutschlandsitz von Superman. Ach nee, der ist ja schon tot. Kurz vor zwölf izst es mir gelungen, beim Eierkochen die Hauptsicherung rauszuhauen und zwar so, daß sie sich nicht wieder reindrücken ließ. Mir ist nämlich das Ei beim sanften Ablegen ins brodelnde Wasser leider unsanft vom Löffel gefallen, weshalb die Schale zersprang und sich das Eiweiß im Topf ausbreitete, bis die ganze Brühe ratzfatz überkochte. Und dann hat’s halt Zack gemacht, und selbst im Kühlschrank war’s zappenduster. Wär’s nicht gerade Sonntagmittag gewesen, hätte ich gleich mal die Notfallnummer des Hausmeisters ausprobiert. Gut, daß ich es nicht gemacht habe, denn fünf Minuten später ließ sich der Sicherungsknopf wieder einrasten. Ein Foto des Desasters zu machen, habe ich leider versäumt. Dennoch konnte ich frohgemut gen Eggerode zum Gnadenbild Unserer Lieben Frau vom Himmelreich pilgern. Continue reading

Für ihre Radfahrprüfung übende Kinder

eselJetzt bin also auf dem Land angekommen. Und es ist herrlich! Die Sonne scheint freundlich durchs Fenster rein, direkt auf das Butterstück, und ich habe meine frischen Semmeln in Streifen geschnitten und tunke einen nach dem anderen in mein Ei, das noch weicher ist als die Butter. Seitdem ich Eier auf diese französische Art esse, mag ich sie am liebsten so flüssig. Dazu höre ich WDR5, denn Deutschlandradio ist hier kurz vor der holländischen Grenze kaum und dann auch nur nachts empfangbar. Aber WDR5 kommt der erhabenen Stimmung, die mich morgens meistens umfängt, sehr zupaß. Erst wurde in einem Zeitzeichen über die Gründung der Sex Pistols referiert, aber so, daß möglichst wenig von der Musik zu hören war. Continue reading