Wir provinziellen Spießer

Yeah, das hätte ich dieser Stadt gar nicht zugetraut! Der Horizont der meisten Berlinerinnen und Berliner geht also doch weiter als bis zum Gartenzaun und reicht über die gesamte Weite des Tempelhofer Feldes. Und auch der Urberliner Taxifahrer muss seinen Standpunkt neu überdenken. Er meinte nämlich, all die Neuberliner würden sich nicht für ihre Stadt interessieren und nur provinziell denken – Dorfstraße hoch, Dorfstraße runter, Ende Gelände. Und ich dachte immer, Taxifahrer hätte eine gute Menschenkenntnis. Na ja, mich hat er ja ooch für einen Zugezogenen gehalten.
Wahrscheinlich wollte einfach niemand die Beschimpfung des SPD-Fraktionsvorsitzenden Raed Saleh auf sich sitzen lassen, der vor ein paar Tagen den Bebauungsgegnern »provinzielle Spießigkeit« vorgeworfen hatte. Wo ja das, was das Feld auszeichnet, vieles ist, nur nicht egoistisch. Es gibt in Berlin wohl keinen anderen Ort, an dem so viele Leute sie selbst sein können, ohne andere zu belästigen.

Mein neuer Roman

Ich bin so aufgeregt wie zuletzt als Kind vier Tage vor Weihnachten.
Denn mein neuer Roman Tempelhofer Feld wird momentan ganz gut angenommen. Gefühlt andauert spaziere ich mit Journalistinnen und Fotografen über den Gegenstand des Buches, das Radio Fritz einen »sprachlich feinen Freiluftroman« genannt hat.
Aber zuvorderst sollen Bücher ja gelesen werden. Deshalb gehe ich mit gutem Beispiel voran und lese mein eigenes vor. Nicht alles, weil ich ja im Laufe des Abends noch auf ihn anstoßen will. Unter anderem mit Jakob Hein, der gesagt hat, Tempelhofer Feld sei »wie gemacht für diesen Sommer«. Am Dienstag im Heimathafen Neukölln wird er aufpassen, dass ich nicht zu viel daraus vorlese und mich vermutlich in ein Gespräch verwickeln.