Souveräne Quarantäne

Bleibt doch einfach mal zu Hause,
draußen gibt es eh nichts mehr zu sehn.
Gönnt der Erde mal ’ne Pause
vom sie störenden Anthropozän.

Denn der Mensch ist nicht allein
umweltschädlich und gemeingefährlich,
bildet sich wer weiß was ein
und ist doch – wir wissen’s ja – entbehrlich.
 
Darum bleibt in euren Zimmern!
Lest ein Buch, öffnet Konservendosen,
um nicht weiter zu verschlimmern,
was längst klar ist, dank aller Prognosen.
 
Lasst euch nicht von Panik oder
gar von Krankheitsviren infizieren.
Lasst stattdessen im Geloder
eure inn’ren Hamster frei rotieren.
 
Bleibt doch einfach länger liegen,
und auch offline. Draußen sind die Leute
krank, hysterisch und verstiegen.
Held ist heut’, wer Meuten stets schon scheute.
 
Twittert nicht, dass ihr noch lebt,
schreibt ganz lange Briefe mit der Hand,
die ihr nicht per Zunge klebt.
Meidet so den Virenschnellversand.
 
Bleibt bei euch und bleibt gelassen,
wascht die Hände häufig, denn Hygiene
ist ein höh’res Gut als Macht.
Werdet Souverän der Quarantäne.
 
Wenn dann Stille uns bestimmt,
Leere einzieht in Fußgängerzonen.
Wenn das Schweigen übernimmt,
Fernsehtalkshows uns komplett verschonen.
 
Wenn die Flieger nicht mehr starten,
und Verkehr auf Straßen fast verschwindet,
sitzen wir daheim und warten,
dass der Virus keinen Wirt mehr findet.
 
Bleibt doch einfach mal zu Hause!
So ’ne Auszeit könnt uns sogar erden.
Freut euch still in der Kartause,
dass wir bald uns wieder treffen werden.

Eine kürze Version dieses Gedicht erschien am 20. März 2020 im Neuen Deutschland.

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