the place to be

Hätte ich gewußt, daß der zweite – internationalen – Schritt der Bibaberlinkampagne mit dem vollbärtigen total überraschenden Slogan „The Place to be“ daherkommt, hätte ich den ersten Absatz meines Romans doch nicht auseineinandergerissen und seine Aussagen weiter hinten im Text verteilt. Der dritte Satz lautete nämlich bis vor einem guten halben Jahr: Wir wissen es einfach besser, und daß Berlin the place to be ist, wissen wir auch Dank eines Probeabos aus der bürgerlichen Presse, was bürgerlich auch immer heutzutage bedeutet. Jetzt fällt der Spruch erst innerhalb eines Dialogs auf Seite 53: Wir schauen wieder in die Nacht hinaus. Verreist du eigentlich? fragt sie mich, und ich gucke sie an. Sie aber blickt weiter ins Weite. Nee, ich bleib hier, sage ich, schließlich ist Berlin doch the place to be! Diese überheblichen Hauptstädter immer! sagt die Kommilitonin Richtung Turmruinespitze, die schon lange stumpf ist und nicht spitz.
Das ist natürlich ironisch gemeint. Und außerdem, wer wird schon gerne mit Mittelmäßigkeit in Verbindung gesetzt?

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Die Freiheit des Selbständigen

Immer wieder stolpere ich über die Formulierung, jemand sei „freier Autor und Redakteur“. Oder bilde ich mir das nur ein? Ich werfe die Suchmaschine an und erfahre nach siebzehn Sekunden, daß das weltweite Gewebe deutscher Sprache „ungefähr 450“ freie Autoren und Redakteure verzeichnet. Die weibliche Form existiert natürlich auch, sogar etwas häufiger, nämlich „ungefähr 466“ Mal. Als junger Mensch fand ich es erstrebenswert, auch mal ein freier Autor zu werden, so steht ja auch immer in den Klappentexten dieser Bücherwelt. Continue reading

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Mein erster Roman

Es ist da! Nagelneu und kommt mir dennoch vor wie ein alter Bekannter. Kein Wunder. Ende Juni 2005 habe ich die ersten Worte dafür aufgeschrieben, ab Ende Februar 2009 kann sie endlich jeder, der Augen zum Lesen hat, auch lesen. Und noch über einhunderttausend andere auf vierhunderteinundsiebzig Seiten. Bei den zwei Korrekturdurchgängen im letzten Dezember habe ich zwar zwischenzeitlich bereut, so ein dickes Buch geschrieben zu haben, aber jetzt bin ich schon ein bißchen stolz darauf.

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Ein Mann wie der Wind

domkeEs ist an der Zeit, einen ziemlich vergessenen Autor, wenn nicht schon zu preisen, dann doch wenigstens an dieser Stelle zu erwähnen: Helmut Domke. Bislang findet man seinen Namen im Internet fast nur in Literaturlisten, seine Bücher gibt es bloß noch antiquarisch. Lediglich das Westfälische Autorenlexikon verrät ein wenig mehr über ihn: 1914 in Recklinghausen geboren, 1939 promoviert, vom Weltkrieg schwerbeschädigt, 1986 gestorben. Domke war Feuilletonist, vor allem aber hat er Reiseführer verfaßt, Reiseliteratur eigentlich, im besten Sinne schwülstig, in ihrem hohen Ton heute mitunter allerdings unfreiwillig komisch. Continue reading

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Vergriffen

vogelbuchIch war mir nicht mehr sicher, an welchen Tag Ende Juni es genau war, doch eben habe ich nachgeschaut und tatsächlich: Genau heute vor zehn Jahren glaubte ich, es würde losgehen, denn am Abend des 27. Juni 1997 wurden mir die ersten zehn Exemplare meines ersten Buches überreicht, bevor ich dann als mit anderen, unveröffentlichten Jungautoren im längst todsanierten Kulturhaus Mitte einen Text daraus las. In der taz stand hinterher was von einem „kabarettähnliche[n] Vortrag“, der Höhepunkt der Lesung gewesen sei. Continue reading

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