Nur eine Rolle

In der U-Bahn ein junger Bärtiger mit runder Brille und dunklem Zopf. Seine legere Kleidung ist grau und schwarz, aber auf dem Kopf trägt er einen grünen dreispitzigen Hut mit angedeuteter Patina, der eher auf die Theaterbühne oder einen Dreimaster paßt als Samstag abends in die U9. Er liest konzentriert in einem großformatigen Buch, das Zeichnungen von Segelschiffen enthält. Ich bin begeistert. Später sehe ich auf dem Einband, es ist ein Buch zum Rollenspiel Schwarzes Auge. Anerkennend stelle ich still fest, daß mein Gegenüber seine Rolle überzeugend verkörpert.

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Von der Tragik alter Männer

Beim Spiegel geht’s derzeit zu wie in einer Bananenrepublik. Sobald ein Despot in die Ferien fliegt, wird er entmachtet. So jetzt auch olle Matussek, den ich in den letzten Jahren erfolgreich ignorieren konnte. Auch sein Videoblog habe ich nie angeklickt, um nicht zu irgendeiner Quote beizutragen. Aber jetzt, wo er „eine Einzelzelle“ bekommt, „einen PC und eine Videokamera […], damit sich dieser Wahnsinnige in seinem Blog ausleben kann“ (so wird allerorts ein anonym bleibender Spiegelmensch zitiert), kann man ja mal einen Blick riskieren. Und was soll man da noch sagen: Matussek kocht heißt der neueste Beitrag und macht mich sprachlos. Weiterlesen →

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HDGDL

goszablumenkastenEs gibt Lieder, die man nie wieder vergißt. Man hört sie vielleicht jahrelang nicht, sie gehören aber trotzdem zum persönlichen Soundtrack und können zu entsprechenden Gelegenheiten abgerufen werden. Einer dieser Songs geistert inzwischen seit fünfzehn Jahren in meinem Musikboxkopf umher, er stammt von der insgesamt wunderbaren CD Beckett & Buddha, eins der schönsten Alben der frühen neunziger Jahre, nur leider kennt kaum jemand die Künstlerin. Barbara Gosza hat nicht nur schöne Lieder geschrieben, sondern singt diese auch großartig mit dunkler und doch klarer, emotionsgeladener Stimme. „Sometimes I like to hate you“, heißt es zu Beginn jenes Liedes, das ich so liebe (und das meine auch wirklich so), „sometimes I like to hate you, how much I long for you, how much away“, und damit ist die Misere schon gut angerissen, die schließlich in dem Kehrreim „Like a heartbeat you belong to me“ gipfelt. Weiterlesen →

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Michael Stein

Vergangenen Mittwoch um drei Uhr in der Nacht ist Michael Stein nach monatelanger Krankheit gestorben. Ich habe ihn kaum gekannt, so daß es verlogen wäre, ihn wie einen Freund oder auch nur guten Bekannten zu betrauern. Doch ist mit ihm ein herausragender Bühnenkünstler abgetreten, ein kompromißloser Provokateur, der oftmals besser zu verstören vermochte als zu begeistern, und dessen Aktionen nachhaltiger waren als man das im Augenblick ihrer Durchführung gedacht hätte. Weiterlesen →

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Träume, die ich gerne hätte, erster Teil

roemersalatIch sitze in einem ziemlich mittigen Café aus Chrom und Glas am Mittagstisch und esse Salat. Eigentlich hatte ich einen gemischten bestellt, aber als der Kellner mit einem Teller grünem ankam und mich frage, ob ich der Caesar’s Salat sei, habe ich aus Hunger bejaht, zumal mir die seltsame Ausdrucksweise gastronomischen Personals durchaus vertraut ist. Vielleicht verhält es sich mit dem Speisenamen ähnlich. Der Anblick des Salats läßt zwar gemischte Gefühle aufkommen, er selber aber ist eher gut sortiert: Viel, viel Grün, Parmesan, Croutons und ein salziges Dressing mit fischigem Nachgeschmack lassen sich zwar durchaus durcheinanderbringen, mir fehlt es indes trotzdem an Gurke und Mais. Dann tritt auch noch ein hagerer Kerl an meinen Tisch mit marmorierter Steinplatte. Albernerweise ist er mit einem Laken bekleidet und trägt Laub im schütteren Haupthaar. Er spricht mit Akzent, wohl italienisch, ich bin mir plötzlich sogar sicher, eine etruskische Einfärbung herauszuhören, vielleicht irre ich mich aber auch. Das ist mein Salat! sagt er herrisch. Weiterlesen →

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Das Glück eines Liedes

maurenbrecherglueckIn letzter Zeit habe ich viel neue Musik gehört, über die ich gerne noch schreiben möchte. Eine alte Idee aufnehmend, möchte ich aber nicht ganze CDs besprechen, ich bin ja auch kein Plattenrezensent, ich möchte mich in meinen Fragmenten jeweils nur einem Lied widmen, obwohl die Auswahl da manchmal schwerfällt. So auch bei Manfred Maurenbrechers neuem, wirklich tollen Album Glück. Trotzdem habe ich mich für das zweite Stück entschieden. Augen habe ich zum ersten Mal gehört und sofort ins Herz geschlossen, als Manfred es neulich bei der Lesershow Wedding gesungen hat, was ja auch kein Wunder ist, schließlich besitze ich die CD erst seit diesem Abend, aber der Song selbst ist bereits vor einundzwanzig Jahren auf Maurenbrechers Album Schneller leben erschienen. Weiterlesen →

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Flüchtige Kunst

Donnerstagabend war ich bei der Eröffnung der Ausstellung der vier Wettbewerbsprojekte für den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst im Berliner Hamburger Bahnhof. Mein Kunstbegriff hört ja irgendwo in der klassischen Moderne auf, Ausnahmen bestätigen die Regel, aber Vorurteile sind eben nur erlaubt, wenn man sie regelmäßig überprüft. Zudem durfte ich meine beiden Lieblingskünstlerinnen vom Labor K1 begleiten, die sogar Sekt dabei hatten, damit ich nicht ganz so enttäuscht wäre, an einer Vernissage teilzunehmen, auf der weder Sekt noch Schnittchen gereicht würden. Weiterlesen →

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Midipop is back

konradalbumKonrad Endler hat mir seine neue CD Midipop Revival geschenkt, selbstgebrannt und mit einem liebvoll handbeklierten Cover, aber das macht überhaupt nix, denn es ist die beste CD, die ich seit langem gehört habe, und es ist eine Schande, daß es sie nicht mindestens an jeder Supermarktkasse zu kaufen gibt! Der Sound erinnert ein wenig an die Neue Deutsche Welle, aber mehr Richtung Foyer des Arts, die ja nie wirklich NDW waren. Die Songs sind alle großartig, und wären sie wirklich schon fünfundfünfzig Jahre alt, dann würden sie gewiß auf jeder Achtzigerjahrerevivalparty gespielt werden. Doch im Gegensatz zu den meisten Liedern von damals – ausgenommen denen von Ideal – sind Konrads Texte großartig, poetisch, scharf, liebevoll, lustig und weitsichtig. Weiterlesen →

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Doktor Bocks Lappenkaffee

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