Schreibt ein Autor für sein Publikum? Ja und nein. Ich jedenfalls muß mir „mein“ Publikum sowieso erstmal suchen beziehungsweise das Publikum muß mich finden (Hallo Publikum, willkommen beim Bockblog!). Daher schreibe ich in erster Linie so wie es mir gefällt, also wie ich glaube, daß die Sprache, mit der ein Text erzählt wird, authentisch wirkt und zum Erzähler paßt. Weiterlesen
Autor: Thilo Bock
Nazis in die Tonne
Neulich beim Entsorgen meiner Winterklamotten Wochenendeinkäufe der üblichen Reste entdeckt:

Obama-Fingers
»Yes! We can!« lautet eine Sonderaktion mit einigermaßen amerikanischen Produkten bei einem großen Lebensmitteldiscounter. Unter anderem in Angebot sind sogenannte »Obama-Finger«, tiefgekühlt und »Fertig gebraten, mit Curry Dip«. Ein bißchen inkonsequent ist die Kampagne aber schon. Die »Mini Brownies« für eins neunundvierzig hätten sie schließlich auch »Little Baracks« nennen können. Oder so.
Aber egal, ich fand ja schon die Bush-Pretzels eher fad im Abgang.
the place to be
Hätte ich gewußt, daß der zweite – internationalen – Schritt der Bibaberlinkampagne mit dem vollbärtigen total überraschenden Slogan „The Place to be“ daherkommt, hätte ich den ersten Absatz meines Romans doch nicht auseineinandergerissen und seine Aussagen weiter hinten im Text verteilt. Der dritte Satz lautete nämlich bis vor einem guten halben Jahr: Wir wissen es einfach besser, und daß Berlin the place to be ist, wissen wir auch Dank eines Probeabos aus der bürgerlichen Presse, was bürgerlich auch immer heutzutage bedeutet. Jetzt fällt der Spruch erst innerhalb eines Dialogs auf Seite 53: Wir schauen wieder in die Nacht hinaus. Verreist du eigentlich? fragt sie mich, und ich gucke sie an. Sie aber blickt weiter ins Weite. Nee, ich bleib hier, sage ich, schließlich ist Berlin doch the place to be! Diese überheblichen Hauptstädter immer! sagt die Kommilitonin Richtung Turmruinespitze, die schon lange stumpf ist und nicht spitz.
Das ist natürlich ironisch gemeint. Und außerdem, wer wird schon gerne mit Mittelmäßigkeit in Verbindung gesetzt?
Die Freiheit des Selbständigen
Immer wieder stolpere ich über die Formulierung, jemand sei „freier Autor und Redakteur“. Oder bilde ich mir das nur ein? Ich werfe die Suchmaschine an und erfahre nach siebzehn Sekunden, daß das weltweite Gewebe deutscher Sprache „ungefähr 450“ freie Autoren und Redakteure verzeichnet. Die weibliche Form existiert natürlich auch, sogar etwas häufiger, nämlich „ungefähr 466“ Mal. Als junger Mensch fand ich es erstrebenswert, auch mal ein freier Autor zu werden, so steht ja auch immer in den Klappentexten dieser Bücherwelt. Weiterlesen
Mein erster Roman

Es ist da! Nagelneu und kommt mir dennoch vor wie ein alter Bekannter. Kein Wunder. Ende Juni 2005 habe ich die ersten Worte dafür aufgeschrieben, ab Ende Februar 2009 kann sie endlich jeder, der Augen zum Lesen hat, auch lesen. Und noch über einhunderttausend andere auf vierhunderteinundsiebzig Seiten. Bei den zwei Korrekturdurchgängen im letzten Dezember habe ich zwar zwischenzeitlich bereut, so ein dickes Buch geschrieben zu haben, aber jetzt bin ich schon ein bißchen stolz darauf.
Palimpalim
Habe gerade festgestellt, daß es einen Wikipediaeintrag zu Palimpalim gibt, jenem albernen onomatopoetischen Ladentürgebimmel aus dem legendären Didi-Hallervorden-Sketch um eine Flasche Pommes frites. Ich erinnere mich noch gut an einen Sommerabend im Jahr 1990 (Obacht, Thilo erzählt von früher), als ich mit einigen Leuten die Rocky Horror Picture Show in der Alten TU-Mensa anschauen wollte. Weil wir viel zu früh dran waren, sind wir zur Dicken Wirtin am Savignyplatz gegangen, wo wir dann an einem Tisch auf dem Bürgersteig Platz fanden. Auf einer Tafel wurde als Tagessuppe eine aus Blumenkohl angepriesen. Und André und Detlef haben, während sie auf ihre Suppen warteten, den Palimpalimsketch mit einer Flasche Blumenkohl vorgemacht. Das kam bei uns anderen gut an. Weiterlesen
Mit links
Hurra! Deutschlands Großpoet Durs Grünbein hat vorm Fernseher Obama beim Unterschreiben zugeschaut und dabei bemerkt, daß „dieser Mensch Linkshänder ist“. Und jetzt hofft Grünbein, „dass mit ihm der erste Dialektiker der amerikanischen Geschichte ins Weiße Haus einzieht“. Doch nicht, weil dieser Mensch Linkshänder ist, oder? Wo doch zumindest James A. Garfield, Herbert Hoover, Harry Truman, Gerald Ford, Ronald Reagan, George Bush d. Ä. und Bill Clinton auch mit links unterschreiben bzw. unterschrieben haben. Al Gore und John McCain übrigens auch.
umsonst
Meine Bank, die seit kurzem einen neuen Besitzer hat, lädt mich zu einem Besuch in die Filiale ein, wo eine Überraschung für mich bereitliege. Die Vereinbarung eines Termins sei kostenlos. Warum betonen die das so? Und was soll das für eine Überraschung sein? Hallo Herr Bock, Ihr bescheidenes Guthaben ist für unsere Weihnachtsfeier draufgegangen. Nee, ich bin doch nicht blöd und melde mich auch noch bei denen!
Nacht und Nebel
Passend zum siebzigsten Jahrestag der Reichspogromnacht hat sich eine Neuköllner Kunstinitiative den knackigen Nazi-Slogan »Nacht und Nebel« auf die Fahnen geschrieben. Als Sponsoren und Partner treten unter anderem die tageszeitung, der Rheinische Merkur und diverse staatliche Stellen auf, und da frage ich mich schon, wieso da keiner mal was gesagt hat. Wissen die alle nichts mehr vom „Nacht-und-Nebel-Erlaß“ Hitlers? Weiterlesen